Hauptinhaltsbereich

Besicherte Filmfinanzierungen

Von den risikotragenden Finanzierungen lassen sich besicherte Filmfinanzierungen unterscheiden. Dabei wird das Filmfinanzierungsdarlehen aus risikotragenden Filmfinanzierungsbestandteilen zurückgeführt, die über Sicherungsvereinbarungen der Bank abgetreten werden. Zudem haftet der Filmproduzent für die Darlehensrückführung. Obgleich der Produzent für diese Finanzierung haftet, kann sie in Abhängigkeit vom Umfang der Projektsicherheiten als Projektfinanzierung eingestuft werden.

Zwischenfinanzierung (Vorfinanzierung)

Die häufigste Form einer besicherten Filmfinanzierung ist die Filmzwischenfinanzierungen Die Zwischenfinanzierung ist die kurzfristige Bereitstellung von Kapital, wenn Ausgaben beglichen werden müssen, die entsprechenden risikotragenden Finanzierungen aber noch nicht in ausreichendem Umfang ausgezahlt worden sind. Zwischenfinanzierungen werden fast ausschließlich von Banken vergeben. Eine Ausnahme bilden größere Medienkonzerne, die ihre produzierenden Tochtergesellschaften aus eigenen Mitteln versorgen. Die Zwischenfinanzierung wird in der Regel durch die Abtretung von Zahlungsansprüchen aus den risikotragenden Finanzierungen gesichert. Die verbleibenden Risiken für den Darlehensgeber (Bank) sind einerseits das Fertigstellungs- und Kostenüberschreitungsrisiko und andererseits das unternehmensbezogene Ausfallrisiko des Produktionsunternehmens. Finanzierungsrisiken können aus dem (vertragswidrigen) Wegfall zugesagter, risikotragender Finanzierungen entstehen. Gegebenenfalls kommen Auslandsrisiken und Ausfallrisiken beteiligter Partner hinzu.

Erforderlich ist eine Zwischenfinanzierung, weil die Zahlungen aus der risikotragenden Finanzierung in der Regel an die Erfüllung bestimmter Auflagen geknüpft sind ( z. B. Vorlage von Verträgen, Bonitätsnachweisen, etc.). Oftmals können die Auflagen aufgrund der Bearbeitungszeiträume finanzierender Partner oder langwieriger Verhandlungen mit Koproduzenten nicht zeitnah erfüllt werden. Insbesondere vor und nach Drehbeginn ist mit einem dynamischen Anstieg der Projektausgaben zu rechnen. Daher ist ab einer bestimmten Projektgröße eine Zwischenfinanzierung für einen ordnungsgemäßen Ablauf der Produktion notwendig.

Die Zwischenfinanzierung kann als Darlehen oder in Form einer Bürgschaft erfolgen. Die Bürgschaft wird auch als Aval bezeichnet. In der Regel fordern TV-Sender solche Avale an, damit sie ihre Zahlungen frei vom Risiko der Fertigstellung des Films oder eines Ausfalls des Produzenten leisten können.

Das zentrale Element für die Vorbereitung einer Zwischenfinanzierung ist der Liquiditätsplan, der alle projektbezogenen Ein- und Auszahlungen in ihrer erwarteten zeitlichen Abfolge darstellt. Dieser Plan sollte in monatlichen Perioden, in kritischen Produktionsphasen ggf. auch in wöchentlichen Perioden dargestellt sein. Das Ergebnis ist der Liquiditätsbestand oder -bedarf (Unterdeckung) für jede Periode. Durch Kumulation der Periodenergebnisse lässt sich der Liquiditätsbedarf ableiten, der durch eine Zwischenfinanzierung gedeckt werden soll.

Bridge-Finanzierung

Voraussetzung für die Auszahlung einer Zwischenfinanzierung ist die Geschlossenheit der Gesamtfinanzierung des Films, also die vertragliche Sicherung aller risikotragenden Finanzierungsbestandteile. Die Fähigkeit der zwischenfinanzierenden Bank, zu erkennen, wann ein Finanzierungsbestandteil als gesichert anzusehen ist, auch wenn finale Verträge noch nicht vorliegen, ist für den Filmproduzenten von wesentlicher Bedeutung. Nicht selten können Verträge z. B.mit TV-Sendern erst nach Abschluss der Dreharbeiten unterzeichnet werden. Eine Zwischenfinanzierung, die erst zu diesem Zeitpunkt ausgereicht würde, könnte ihre Funktion der Abfederung produktionsbedingter Liquiditätsspitzen wohl nicht gerecht werden. In der Praxis müssen daher vorgelagerte Dokumente auf Erfahrungsbasis für die Darlehensvalutierung von der Bank akzeptiert werden.

Hiervon zu unterscheiden ist die in der Praxis der Filmwirtschaft oft als Bridge-Finanzierung oder Bridge-Financing bezeichnete Finanzierungsart (gelegentlich auch als Anschubfinanzierung bezeichnet). Sie geht der Zwischenfinanzierung voraus. Dem Produzenten werden bei der Bridge-Finanzierung Mittel zur Verfügung gestellt, noch bevor die Finanzierung formal geschlossen ist und auch nach sachverständiger Würdigung des Finanzierungsstandes nicht als geschlossen angesehen werden kann.

Die Bridge-Finanzierung deckt einen typischen Finanzbedarf des Filmproduzenten, der im Rahmen der Vorproduktion des Films entsteht. Zu diesem Zeitpunkt fehlen häufig noch wesentliche Finanzierungsbestandteile, die aber aufgrund laufender Verhandlungen oder Beantragungen vom Produzenten erwartet werden.

Die Bridge-Finanzierung wird von der späteren Zwischenfinanzierung abgelöst oder parallel zur Zwischenfinanzierung weitergeführt.

Zusätzlich zu den Risiken der Zwischenfinanzierung besteht bei der Bridge-Finanzierung ein Finanzierungsrisiko. Die Bank wird in der Regel eine Bridge-Finanzierung nur gewähren, wenn aufgrund der Qualität des Filmprojekts und der Analyse des Finanzierungsstandes eine Schließung der Finanzierung mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartet werden kann. Anders als bei der Zwischenfinanzierung hängt diese Finanzierung in stärkerem Umfang davon ab, ob der Produzent die Bridgefinanzierung notfalls aus seinem Unternehmen oder aus zusätzlichen Sicherheiten der Unternehmensgesellschafter zurückführen könnte.

Development-Finanzierung

Von der Zwischen- und der Bridge-Finanzierung ist die Development-Finanzierung zu unterscheiden. Die Developmentfinanzierung schließt einen längeren Zeitraum der Projektentwicklung und gegeben falls auch der vorgelagerten Stoffentwicklung ein. Da hier die Finanzierung und Verwirklichung der Filmproduktion noch unsicher ist, kann die finanzierende Bank in der Regel nur auf Sicherheiten aus der Unternehmsphäre abstellen. Die Development-Finanzierung wird aus Sicht der Bank erleichtert, wenn ein kontinuierlicher Projektfluss mit einer Reihe verwirklichter Filme die spätere Realisierung vergleichbarer Projekte, die sich noch im Entwicklungsstadium befinden, indiziert. Die Development-Finanzierung ist im Hinblick auf das Filmprojekt mit sehr hohen Risiken verbunden. Eine längere und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bank wird in der Regel die Ausgangsposition einer solchen Finanzierung sein.

Contact-ILB

  • Infotelefon Medien Infotelefon Medien Tel.: 0331 660-1502
    Fax: 0331 6606-1905
    E-Mail Kontakt

Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH

Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH
August-Bebel-Straße 26-53
14482 Potsdam

Tel.: 0331 74387-0

www.medienboard.de

medienboard@medienboard.de